E-Books sind längst etabliert als Alternative zum haptischen Buch. Seit dem ersten E-Book, “Mona Lisa Overdrive” von William Gibson aus seinem bahnbrechenden “Neuromancer” Zyklus, hat sich viel verändert beim ehemaligen Nischenprodukt.

Das erste E-Book kam bereits 1988 auf den Markt: der Roman “Mona Lisa Overdrive” von William Gibson. Der dritte Teil der Cyberpunk-Trilogie “Neuromancer” war damit das erste Buch weltweit, welches auch als elektronisches Buch veröffentlicht wurde.

Mona Lisa Overdrive: William Gibson startet das E-Book

William Gibson ist nicht nur als einer der bekanntesten Vertreter des Cyberpunk Genres, sondern auch der Erfinder des Wortes “Cyberspace”: Seine Romane aus der Welt von Neuromancer sind philosophische Abenteuer, in denen Mensch und Maschine miteinander verschmelzen – seine künstlichen Intelligenzen entwickeln sich von der technischen Neuerung über Gedankenkonstrukte zu virtuellen Wesen. Ebenso entwickeln sich die drei Bücher der Reihe zu komplexen Storygebilden, in denen die beschriebene Technik oftmals wesentlicher ist, als die Charakterzüge der Hauptpersonen.

So ist der Inhalt von “Mona Lisa Overdrive” auf drei Geschichten verteilt: Eine Prostituierte soll beim Kidnapping eines Stars, dem sie ähnlich sieht, helfen, ein japanisches Mädchen wird in einen Yakuza-Konflikt verwickelt und ein ehemaliger Autodieb wird mit seinen kybernetischen Skulpturen in die eigenartigen Pläne der AIs des Cyberspace gezogen – die Entscheidung, das Buch als E-Book herauszugeben und somit die klassische Literaturform auf die 1988 aufkommende Computertechnik ebenso zu beziehen, wie auf die technophilosophischen Fragen des Buches selbst, kann als geniales Crossmarketing verstanden werden, aber vor allem als logische und konsequente Entwicklung.

E-Book Entwicklung: vom ersten Hype bis zum Kindle

Bereits in den 90er Jahren entwickelte sich so in Teilen der Verlagswelt ein richtiger Hype um das elektronische Buch, hoffte man doch, damit reichlich Druckkosten sparen und sich neue technische Möglichkeiten beim Verlegen erschließen zu können.

Dem gegenüber betrachtete die Druckindustrie die E-Books zunächst nicht als ernstzunehmenden Gegner für “richtige” Bücher. Gleichzeitig entstanden große Online-Versandhandelsfirmen für Bücher und andere Waren (wie Amazon), die durch cleveres Marketing und eine rationalisierte Logistik bald den Markt beherrschten. Zunächst konzentrierten sich diese ganz auf gedruckte Bücher. E-Books blieben lange Zeit weiterhin ein Nischenprodukt. Zwar wurde bereits 1999 der erste E-Book-Reader in USA auf den Markt gebracht, war jedoch wenig erfolgreich.

Fachbücher und Belletristik in elektronischer Form

Mehrere Verlage experimentierten mehr oder weniger erfolgreich mit E-Books. Besonders beliebt war zunächst das PDF-Format bei Fachpublikationen, da hier bestimmte Funktionen wie eine Volltextsuche für die Leser wichtiger waren als die Aufmachung. Bis heute werden vor allem Fachbücher in digitaler Form verkauft und mittlerweile sind 30 % aller Fachbücher auch als E-Books erhältlich.

In den letzten Jahren werden auch belletristische E-Books immer beliebter, was auch mit den verbesserten E-Book Readern zusammenhängt. Amazon hat 2007 begonnen, eine eigene Serie dieser Lesegeräte auf den Markt zu bringen, den sogenannten “Amazon Kindle”, der seit 2009 auch in Deutschland erhältlich ist. Passend dazu gibt es auch einen Kindle Shop. Mittlerweile gibt es die Lesegeräte in vielen verschiedenen Ausführungen auch von anderen Anbietern. E-Book Verkäufe erreichen hierzulande inzwischen einen Anteil von ca. 1 % am Gesamtumsatz der Buchindustrie, das entspricht mehr als einer Million verkaufter Bücher.